Altarstein von 1858 wieder zurück in der Kirche

Hans Schulze-Gahmen vom Förderverein „Lasst die Kirche im Dorf“ am Altarstein aus dem Jahr 1858.

(wiw) Beim Aufräumen in einer Abstell-kammer der Kirchenräume in Welschneudorf entdeckten Marianne Best und Rita Andre im vergangenen Jahr ein sakrales Kleinod, das lange verborgen geblieben war. In einer Plastiktüte war ein Altarstein eingewickelt, der  – wie sich schnell herausstellte – aus dem Jahr 1858 stammt.

Die von Bischof Petrus Josephus unterzeichnete Inschrift gibt Auskunft über den Altarstein.

Auf der Rückseite des Steines findet sich eine Inschrift in lateinischer Sprache, die übersetzt lautet: „1858, am Tag des 5. Novembers habe ich, Petrus Josephus, Bischof von Limburg, diesen tragbaren Altar konsekriert und die Reliquien von Felix, Crescentius und Clara in ihm eingeschlossen.“ Die Reliquien befinden sich in einem versiegelten Umschlag, der zwischen Altarstein und hölzerner Rückwand verborgen ist. Auf der Rückwand ist auch das bischöfliche Siegel zu sehen.

Bei den in der Notiz des Bischofs genannten  drei Namen handelt es sich möglicherweise einmal um Felix von Rom, welcher der Legende nach um das Jahr 303 oder um 287 an der Porta Portuensis in Rom den Märtyrertod starb. Zuverlässige historische Quellen dazu gibt es allerdings nicht. Zur Figur des Crescentius gibt es verschiedene Schilderungen. So ist einmal die Rede von Crescentinus (auch Crescentianus),  dem Sohn einer vornehmen Familie aus Rom, der zunächst römischer Soldat war und sich später zum Christentum bekannte . Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian floh er aus Rom und wurde später als Einsiedler bei Perugia  gefangengenommen und hingerichtet.

Außerdem gibt es eine Schilderung von Crescentianus von Rom, der im Jahre 303 im Alter von elf Jahren vor den Toren Roms enthauptet worden sein soll. Darüber hinaus taucht auch der Name Crescens mehrfach in der Märtyrergeschichte der römisch-katholischen Kirche auf.

Und schließlich ist nicht eindeutig erwiesen, wer sich hinter dem Namen Clara verbirgt. Am bekanntesten ist Klara von Assisi (1194 – 1253), Tochter einer Adelsfamilie, die beeinflusst war vom heiligen Franziskus, mit  dessen Unterstützung sie den Klarissenorden begründete. Es erscheint allerdings wenig wahrscheinlich, dass eine Reliquie Klaras, deren sterbliche Überreste in der Krypta der Basilika Santa Chiara in Assisi aufbewahrt werden, im Altarstein von Welschneudorf zu finden ist.

Die Rückseite des Altarsteins mit dem handschriftlichen Hinweis von Bischof Petrus Josephus. (Fotos: Eberth)

Der Altarstein wurde nach seiner Begutachtung durch den Bistums-konservator Prof. Dr.  Matthias Kloft und notwendigen Restaurie-rungsarbeiten in einen Metallrahmen eingefasst, der wiederum kurz vor dem diesjährigen Kirchweihfest drehbar an einer Wandhalterung in der Kirche befestigt wurde. So können Besucher  Vorder- und Rückseite des Altarsteins genau in Augenschein nehmen.

Altarsteine gehörten in der römisch-katholischen Kirche zur Ausstattung von Altären, die nicht aus Stein hergestellt oder nicht fest angebracht waren.  Der von Bischof Petrus Josephus geweihte Stein in der Kirche St. Johannes Baptist Welschneudorf gehörte vermutlich zu einem früheren Altar, der im Jahr 1953 durch den heutigen Altar ersetzt wurde, so Hans Schulze-Gahmen vom Welschneudorfer Förderverein „Lasst die Kirche im Dorf“.

Bischof Petrus Josephus, der mit bürgerlichem Namen Peter Josephus Blum hieß und 1808 in Geisenheim geboren wurde, war von 1842 bis 1884 Oberhaupt des Bistums Limburg. Der Bischof unterstützte stark die Gründung und Ansiedlung von krankenpflegenden Organisationen und trug so auch wesentlich zur Entfaltung des Ordens der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ bei, mit dessen Gründerin Maria Katharina Kasper er eng verbunden war. Der Bischof spielte in der Zeit des so genannten Kulturkampfs eine bedeutende Rolle.

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