Verein fürchtet „Dominoeffekt“ bei Schließung der Kirche

Erstmals nach Inkrafttreten des neuen Pastoralen Raums trafen sich die Mitglieder des Vereins „Lasst die Kirche im Dorf e.V.“ kürzlich zur Mitgliederversammlung . Dabei wurde festgestellt, dass der Sinn und Zweck des Vereines nach Wegfall der bisherigen Strukturen zukünftig noch mehr Bedeutung für die Gemeinde erlangen werde. Der Verein tritt dafür ein, dass eine mögliche eingeschränkte finanzielle Unterstützung aus der neuen Pfarrei vor Ort ausgeglichen werden kann und dann ausreichend Geld zur Verfügung steht, wenn es dringend benötigt wird. Umso mehr waren die Mitglieder darüber verwundert, dass der Verein nur von zirka 30 Mitgliedern getragen und unterstützt wird. Vereinsvertreter gehen davon aus, dass „sicherlich viele Bürgerinnen und Bürger daran interessiert sind, dass unsere dörflichen Strukturen nicht noch weitere Einbußen hinnehmen (siehe Wegfall der Naspa Zweigstelle seit Mitte des Jahres)“.

So wurde darauf hingewiesen, dass Träger der Kindertagesstätte die Kirche ist, seit Beginn des Jahres vertreten durch die neue Pfarrei St. Peter und deren Verwaltungsrat. Der Standort dieser fünfgruppigen Einrichtung sichere unter Umständen auch den Erhalt der Grundschule, so die Auffassung von Vereinsmitgliedern. Würde also die „Kirche“ wegfallen, könnte das einen Dominoeffekt auslösen, befürchten sie. „Deshalb rufe ich auch in meiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Vereins auf, den Verein durch eine Mitgliedschaft und gegebenenfalls aktive Unterstützung zu stärken“, appelliert Ortsbürgermeister Bernd Labonte an die Welschneudorfer Bürger. Er unterstrich, dass jedes Mitglied seinen eigenen finanziellen Beitrag – entsprechend der eigenen Leistungsfähigkeit bzw. dem eigenen Leistungswillen – selbst bestimmen könne. Dieser Umstand müsse es eigentlich noch attraktiver für jeden Einzelnen machen, dem Verein beizutreten. „Geben Sie sich doch einfach einen Ruck und sprechen Sie die Vorstandsmitglieder – Hans Schulze Gahmen, Bernd Labonte, Reiner Kirst, Martin Schuster bzw. Marianne Best – an“, so Labonte.

Der Ortsbürgermeister dankte dem Vorstand und insbesondere Reiner Kirst herzlich für das langjährige Engagement als Vorsitzender. In der Mitgliederversammlung wurde Hans Schulze-Gahmen als neuer Vorsitzender gewählt. Die anderen Mitglieder des Vorstandes wurden allesamt wiedergewählt. Labonte bezeichnet es als „besonders erfreulich, dass Reiner Kirst seine Vorstandsarbeit „in der zweiten Reihe“ fortsetzt“. Er dankte allen für ihren Einsatz und den damit verbundenen Willen, sich zum Wohle der Gemeinschaft ehrenamtlich zu engagieren. „Es müsste doch eigentlich bei fast 600 Katholiken und fast 1.000 Gemeindemitgliedern gelingen, die Mitgliederzahl eines so wichtigen Vereins deutlich zu erhöhen. Packen wir`s an“, so Labonte abschließend.

Bernd Labonte, Ortsbürgermeister

Ein Gedanke zu „Verein fürchtet „Dominoeffekt“ bei Schließung der Kirche“

  1. „Lasst die Kirche im Dorf“ – nicht nur eine Sache des Geldes

    Unabhängig, ob es sich um die Ware „Geld“ der NASPA oder das vermeintlich kulturelle Gut „religiöser Glaube“ der römisch-katholischen Kirche handelt, Standortentscheidungen, egal ob in dörflichen oder auch anderen urbanen Strukturen, werden von den dafür Verantwortlichen seit jeher nach Bedarf und besonders nach Rendite getroffen.

    Es ist meiner Meinung nach Ausdruck ewig gestrigen Gedankengutes unseres Ortsbürgermeisters, zwanghaft an Traditionen festzuhalten, die absehbar unausweichlich vom Niedergang betroffen sind. Die Tendenz zum Rückzug der Kirche wurde schon in meiner Jugendzeit von den sogenannten Eliten der römisch-katholischen Kirche – vom Papst bis zum Dorfpfarrer – vorausschauend erkannt und zunächst drohend, später faktisch beschrieben. Wir wurden also nicht überrascht. Die Individualisierung der Gesellschaft verhielt sich konträr zu den Bemühungen des Klerus, Gläubige, wie historisch gewohnt, als leicht zu beeinflussende Masse zu behandeln. Mangelnde moralische Autorität des Klerus tat ein Übriges und führte zur großen Fluktuation und damit vermutlich schwindenden Einnahmen aus Kirchensteuer – meines Erachtens der Hauptgrund für die Strukturreform.

    Nun ist der Ernstfall eingetreten. Und unser Bürgermeister macht, wie bei der Entscheidung der NASPA, den hilflosen, albernen Versuch, dem Unausweichlichen mit populistischen, konservativen Maßnahmen zu begegnen: Wieder, wie bei der angeregten zusätzlichen Versicherung gegen Starkregen im letzten Jahr, werden wir in diesem Falle aufgefordert, unser Bestes, nämlich unser meist sauer verdientes Geld, für eine weitere Welschneudorfer Schimäre auszugeben.

    Sehr geehrter Herr Labonte, die Großzahl der Gläubigen geben bereits den „Zehnten“ ihrer Steuerabgaben an ihre Kirche und haben ein Anrecht darauf, dass ihr Geld sinnvoll eingesetzt wird. Natürlich wünschen wir uns mit allem Recht, dass dies in Einrichtungen, die uns nützen, wie zum Beispiel in Kindergärten, sichtbar wird.

    Aber was, wenn nicht? Dann benötigen wir modernere Ansätze als das zahnlose Festhalten an Bestehendem. Geben wir dem religiösen Leben selbstverständlich seinen Raum! – Aber nicht im öffentlichen Leben, denn Glaube ist eine intime, private Angelegenheit. Machen wir uns für eine Trennung von Staat und Kirche – also auch von Kommune und Kirche vor Ort, mit allen Rechten aber auch Pflichten ihrer Protagonisten, stark. Was wir von Muslimen, Juden und Mitgliedern anderer Glaubensrichtungen verlangen, sollte auch für Christen gelten. Die Zeiten, in denen die Kirche zur moralischen Instanz stilisiert wurde und so ihren Platz in unserem Wertesystem hatte, sind neben üblen Vorgängen spätestens seit Tebartz-van Elst passé.

    Die Distanzierung der „Kirche“ mit ihren Strukturen von ihrer Klientel bietet uns als liberalisierten und demokratisierten Bürgern doch ungemeine Chancen. Wir müssen sie nur richtig nutzen – ohne Larmoyanz und mit kühlem Sachverstand. Für mehr kreative kommunale Gestaltung, wenn notwendig, auch in den kommunalen Aufsichtsgremien – das wäre die originäre Aufgabe unseres Ortsvorstandes – und vielleicht mehr unaufdringliche und erlebbare Religiosität.

    Ob das in einem Verein, der noch nicht einmal in dem Koordinatensystem kirchlicher Verwaltungshierarchie seinen gestaltenden Platz hat, leistbar ist? Ich „glaube“ nicht.

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